Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde,
Kopf- und Halschirurgie
Direktorin: Prof. Dr. med. Petra Ambrosch - Arnold-Heller-Str. 3, Haus 27, 24105 Kiel
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Klinik für
Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde,
Kopf- und Halschirurgie

Direktorin: Prof. Dr. P. Ambrosch
Arnold-Heller-Straße 3
Haus 27
D-24105 Kiel
Germany

Telefon: +49 (431) 500-21707 oder -21717
Telefax: +49 (431) 500-21728
Mittelohrchirurgie
 

Bild: www.musik.uni-osnabrueck.de
Allgemeine Grundlagen:

Das menschliche Mittelohr besteht aus dem Trommelfell, der Gehörknöchelchenkette (Hammer, Amboß, Steigbügel), der Paukenhöhle und der Ohrtrompete (sog. Eustachische Röhre). Durch das Mittelohr ziehen der Gesichts- (Nervus fazialis) und der Geschmacksnerv (Chorda tympani).
Die Aufgabe des Mittelohres besteht in der Schallübertragung zwischen dem äußeren Gehörgang und dem Innenohr, die dann optimal erfolgt, wenn die Paukenhöhle lufthaltig und Trommelfell und Gehörknöchelchen intakt sind.
Bei jedem Schluckakt gelangt über die Ohrtrompete (Verbindung zwischen Nasenrachen und Paukenhöhle) Luft in die Paukenhöhle, so dass Trommelfell und Gehörknöchelchen optimal schwingen können.
Fehlt der Druckausgleich können ein Tubenkatarrh, ein Mittelohr-/Paukenerguß oder eine akute Mittelohrentzündung entstehen. Langfristige Probleme beim Druckausgleich können zu einer chronischen Mittelohrentzündung (Schleimhaut- oder Knocheneiterung, das sog. Cholesteatom) führen.
Wichtig ist bei der Behandlung der Mittelohrerkrankungen die Begleiterkrankungen im übrigen HNO-Gebiet mitzutherapieren (vergrößerte Rachenmandel (im Volksmund „Polypen“; vergrößerte Gaumenmandeln, Nasenmuschelhyperplasie, chronische Nebenhöhlenentzündungen, Nasenscheidewandverbiegung).

Paukenerguß:

Man unterscheidet je nach Konsistenz zwischen einem serösen, also eher flüssigen und einem mukösen und damit zäheren Paukenerguß. Ursache sind v.a. Adenoide, d.h. die vergrößerte Rachenmandel und viral-entzündliche Schleimhautschwellungen, die zu einer Fehlfunktion der Ohrtrompete führen. Bei Erwachsenen muß man Tumoren des Nasenrachens ausschließen. Sollte trotz konservativer Therapiemaßnahmen (abschwellende Nasentrofen, Inhalationen, Schleimlöser) der Paukenerguß bestehen bleiben, wird ein künstlicher Druckausgleich durch die Einlage eines Paukenröhrchens erreicht. Bei Kindern wird im Rahmen dieses Eingriffs eine Entfernung der Adenoide durchgeführt. Bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (sog. „Wolfsrachen“ ) ist eine langfristige Fehlfunktion der Ohrtrompete vorhanden, so dass bei diesen Kindern die Indikation zur Paukenröhrcheneinlage großzügig und frühzeitig gestellt wird.

Chronische Mittelohrentzündung:

Chronische Mittelohrentzündungen entstehen durch eine dauerhafte Fehlfunktion der Ohrtrompete, gehäufte akute Mittelohrentzündungen und eine mangelhafte Mittelohrschleimhaut.
Dabei unterscheidet man 2 Formen:
Chronische Schleimhauteiterung:
Typisch ist hier die zentrale Trommelfellperforation. Gelangen Keime über den Gehörgang von außen in das Mittelohr, kann es zu Ohrenlaufen kommen. Hinzu kommt häufig eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Die Operation, d.h. der Verschluß des Trommelfells ggf. mit Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette kann in örtlicher Betäubung erfolgen.
Chronische Knocheneiterung-Cholesteatom:
Typisch ist hier die randständige Trommelfellperforation sowie das für den unangenehme übelriechende Ohrenlaufen. Es gibt aber auch, vor allem bei Kindern, das Cholesteatom hinter dem geschlossenen Trommelfell. Kindliche Cholesteatome können aggressiv wachsen, oft sind eine Reihe von Rezidiv-Operationen erforderlich. Das Cholesteatom muß operiert werden, da als Komplikation eine Gesichtsnervlähmung, Innenohrzerstörung mit Ertaubung, Zerstörung des Gleichgewichtsorgans, Einbruch in die Schädelgrube mit Hirnhautentzündung und –abszeß entstehen können. Die Operation findet in Vollnarkose statt und dient vorrangig der vollständigen Entfernung des Cholesteatoms. In einem 2. Eingriff (sog. Second-look-OP), der 6-12 Monate nach der ersten OP bei größeren Cholesteatomen stattfindet, wird beurteilt, ob ein Rezidiv vorhanden ist und bei Rezidivausschluß das Mittelohr rekonstruiert zur Hörverbesserung (mit verbliebenen patienteneigenen Gehörknöchelchen oder emdernsten Prothesen aus Kunststoff oder Titan). Wir bevorzugen das Prinzip des second-look-Eingriffs, da selbst erfahrenste Operateure nicht garantieren können, sämtliche befallenen Knochenareale sicher entfernt zu haben.

Otosklerose:

Die Otosklerose ist eine Sonderform der Mittelohrschwerhörigkeit. Aus bisher ungeklärten Gründen kommt es zu einer Verknöcherung des Steigbügels im Bereich des ovalen Fensters des Innenohres (Stapesfixation). Dadurch kommt es zu einer Schwerhörigkeit, die im Laufe der Jahre zunimmt. Die Therapie der Otosklerose ist die sog. Stapesplastik. Hierbei wird in örtlicher Betäubung die Fußplatte des Steigbügels belassen, der Oberbau entfernt und ein kleines Loch in die Fußplatte gebohrt. Zwischen dem Amboß und dem Loch wird eine Prothese eingesetzt, so dass die Schwingungen wieder auf die Innenohrflüssigkeit übertragen werden können. Operiert wird ab einer Schallleitungsschwerhörigkeit von mindestens 20-25 dB. Erreicht wird durch die Operation eine verbleibende Schallleitungsschwerhörigkeit meist von 10 dB.